Geschichte

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“, so lautet das Motto der Feuerwehren. Getreu diesem Wahlspruch arbeitet auch die Niederlützinger Wehr, die als Löschzug Lützingen eine von insgesamt vier Feuerwehren in der Verbandsgemeinde Bad Breisig ist. Vor über 75 Jahren – im Jahr 1934- gegründet, hat sich unsere Wehr bei einer Vielzahl von Gelegenheiten durch Einsatzbereitschaft und tatkräftige Hilfe ausgezeichnet.

Helfen wollen und können, dies beiden Schlagworte prägen seit nunmehr sieben Jahrzehnten das freiwillige Feuerwehrwesen in unserem Ort.

Neben dem reinen Feuerlöscheinsatz gibt es heute eine ganze Reihe Aufgaben, denen sich eine Feuerwehr stellen muß. Katastrophenschutz und technische Hilfe beispielsweise. Durch regelmäßige Übungen und dem Besuch von Weiterbildungslehrgängen bemühen sich die Aktiven unserer Wehr, stets den bestmöglichen Standard zu haben. Gegenwärtig zählt unsere Wehr 26 aktive Kameraden.

Natürlich möchte nicht jeder, der sich für die Feuerwehr interessiert, auch aktives Mitglied werden. Deswegen zählt unsere Wehr ferner noch zahlreiche fördernde Mitglieder, die die Wehr mit einem geringen Jahresbeitrag unterstützen.

In unserer Wehr wird aber auch die Kameradschaft großgeschrieben. Fester Bestandteil des Niederlützinger Veranstaltungskalenders ist der „Tag der offenen Tür“, den Wehr traditionsgemäß an Christi Himmelfahrt veranstaltet. Die Bevölkerung hat an diesem Tag Gelegenheit, sich im Feuerwehrgerätehaus die Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände der Feuerwehr anzuschauen.

Die Feuerwehr ist voll in das hiesige gesellschaftliche Leben integriert und zu den unterschiedlichsten Anlässen aktiv. So übernimmt die Wehr zum Beispiel die Absicherung bei kirchlichen Veranstaltungen (z.B. Fronleichnamsprozession, 1.Mai-Wallfahrt), sie nimmt an Fackelzügen teil (etwa Kirmes) und ist immer dann aktiv, wenn andere Vereine sie brauchen.

Lesen Sie hier weiter die Entstehungsgeschichte unserer Wehr :

Mit einer Pflichtfeuerwehr fing alles an

Der Brandschutz als Pflicht eines jeden Bürgers ; so blieb es in vielen Gemeinden noch bis ins 20. Jahrhundert hinein. Eine Polizeiordnung der Amtsbürgermeisterei Burgbrohl , die im Jahre 1822 erlassen wurde , enthält mehrere Verordnungen , die dem Brandschutz dienen. Hier heißt es unter anderem : “ Das Tabakrauchen auf den Staßen ist untersagt , es sei denn , dass die Tabakpfeifen mit Deckeln versehen wären.

Was hat das mit Brandschutz zu tun ? werden wir uns heute wahrscheinlich spontan fragen. Wenn man etwas nachdenkt, kommt man jedoch schnell auf den Sinn dieses Verbotes. Der überwiegende Teil der Gebäude waren zur damaligen Zeit Fachwerkhäuser , die Strohdächer hatten. Da konnte Funkenflug verheerende Auswirkungen haben. Aus diesem Grund auch die obrige Verordnung , der zufolge das Rauchen auch an andernen “ feuergefährlichen Orten “ verboten war.

Dem besseren Brandschutz diente auch folgender Paragraph. “ Es ist verboten , mit Licht Heu- und Strohböden , Scheunen , Ställe und andere Orte , wo sich brennbare Materialien befinden , zu betreten ; es sei denn , dass solches in eine Laterne von Glas oder Horn , die mit einem Gitter aus Eisendraht umgeben , und deren Oberteil und Boden mit Blech bedeckt , eingeschlossen sind.“

Auch mit dieser Bestimmung sollte natürlich die Brandgefahr gemindert werden. Verboten war grundsätzlich auch das “ Schießen mit Feuergewehren , Feuerwerke abbrennen , Raketen werfen oder Freudenfeuer anzünden„.

Wie in allen anderen Orten des Brohltals , gab es auch in Niederlützingen eine sogenannte Pflichtfeuerwehr. Alle diensttauglichen Männer des Ortes mussten bei Bränden aktiv Hilfe leisten. Ein Ortsbewohner fungierte als “ Brandmeister “ und leitete die Einsätze. Wer sich nicht direkt an der Brandbekämpfung beteiligen konnte , übernahm andere Aufgaben. Hiezu heißt es : “ Wenn bei Nacht eine Feuersbrunst Statt hat , so ist jeder Hauseigentümer oder Mieter gehalten , vor seiner Wohnung vermittelst einer Laterne die Straße zu beleuchten.“

Da es natürlich auch noch keine Straßenlampen gab , sollte auf diese Weise wenigstens notdürftig für Helligkeit gesorgt werden.

Die Einwohner , welche den in der Feuerordnung enthaltenen Verordnungen nicht nachkommen , werden vor das Polizeigericht gebracht, und zu einer Geldbuße von ein bis drei Thaler oder zu einer dreitägigen Gefängnisstrafe verurteilt werden !“ stellte die Polizei – Verodnung unmissverständlich klar.

Zum Zwecke des besseren Feuerschutzes gab es im Ort mehrere Brandweiher. Ein Hinweis findet sich auf einer Katasterkarte von Niederlützingen , die 1826 entstand. An der Einmündung der Zeibstraße in die Hauptstraße – an der Stelle heute das Wohnhaus der Familie Smaritschnik steht , stand 1826 noch kein Gebäude – hatte die Gemeinde Niederlützingen einen großen Brandweiher angelegt. Das Regenwasser , das hier aufgefangen wurde , wurde allerdings nicht nur las Löschwasser genutzt , sondern diente mitunter auch dazu , das Vieh zu tränken.

Auszug aus der Katasterkarte aus dem Jahr 1826 : Gut zu erkennen ist der große Brandweiher an der Ecke der heutigen Hauptstraße / Zeibstraße

Welche Ausrüstungsgegenstände hatte die Feuerwehr Mitte des 19.Jahrhunderts ? Schläuche , eine ganze Anzahl wasserdichter Ledereimer( so genannte “ Feuereimer “ ) und ab 1840 sogar eine Handpumpe. Durch den Bau der ersten Niederlützinger Wasserleitung in den Jahren 1893 / 94 verbesserte sich der Brandschutz unseres Ortes natürlich wesentlich , insbesondere , als alle Häuser mit Hausanschlüssen versehen waren. Die Kontrolle der Wasserleitung war Sache des örtlichen Brandmeisters.

 Text : Achim Schmitz